Südafrika Rundreise (I): Von Johannesburg bis Kruger National Park 1


Heute starten wir nach einer kleinen Pause mit den Reiseberichten über unsere Zeit in Südafrika. Nachdem wir uns in München seit Januar gut eingelebt haben, möchten wir mit euch unbedingt unsere Erlebnisse in diesem spannenden Land teilen.

Obwohl oder gerade weil wir 2010 schon einmal dort waren, freuten wir uns riesig auf fünf Wochen Roadtrip quer durch Südafrika. Voller Vorfreude stiegen wir früh morgens in ein offiziell ausgewiesenes Taxi, welches uns in unser Hotel in Bedfordview brachte, welches ca. auf der Hälfte der Strecke zwischen Flughafen und Innenstadt liegt.

Auf Johannesburg waren wir besonders gespannt, denn wir wussten nicht, was wir erwarten sollten. War es wirklich so gefährlich? Wie ist die Athmosphäre in so einer Stadt mit einer buntgemischten Bevölkerung? Um einen ersten Eindruck zu erhalten entschieden wir uns für den Hop-on, Hop-off City Sightseeing Johannesburg Red Bus, welcher in der Innenstadt ab der Gautrain Park Station startet. Mit frischem Wind um die Nase fuhren wir im Doppeldeckerbus vorbei am Gandhi Square, zu Gedenken an Gandhis Schaffenszeit in Johannesburg. Am Carlton Centre legten wir einen kurzen Stopp ein. Mit 50 Stockwerken und 223m ist dieses Hochhaus nach 40 Jahren immer noch das höchste in Afrika. Von der Aussichtsplattform Top of Africa erstreckt sich Jozi vor uns bis nach Soweto, wohin es uns noch am Nachmittag verschlagen sollte.

Einen weiteren Stopp legten wir bei der etwas außerhalb gelegenen Anlage Gold Reef City ein, einem Vergnügungspark und einem riesigen Casino-Komplex, welche auf dem Gebiet einer der größten und tiefsten Goldminen der Welt erbaut wurden.

Dort wurden wir von einem kleinen Shuttle für einen zweistündigen Ausflug durch Soweto abgeholt, einem Zusammenschluss mehrerer Townships unterschiedlicher Bevölkerungsschichten. So fuhren wir an Häuserblocks mit stattlichen Villen, an Reihenhäusern der Mittelschicht, aber auch an weiten Straßenzügen mit windschiefen Blechhütten ohne Strom, Wasser und Sanitäranlagen vorbei. Wir merkten schnell, dass wir unser Bild von Soweto noch einmal differenzierter überdenken sollten. Neben dem kurz vor Soweto gelegenen Stadion Soccer City, in dem Deutschland damals gegen Ghana zur Zeiten der WM 2010 gewann, hielten wir bei den bunt angemalten Orlando Towers. Für einen Bungeesprung blieb uns leider keine Zeit, denn es ging weiter zur Vilakazi Street, in der auch Nelson Mandela und Desmond Tutu gewohnt hatten.

Zurück an der Haltestelle des Red Bus am Eingang von Gold Reef City, setzten wir unsere Stadtrundfahrt Richtung Apartheid Museum fort. Auf uns wirkte das Museum inspirierend und deprimierend zugleich, da die Brutalität des Apartheid Systems anschaulich portraitiert wird.

Nach einer Schleife über Innenstadt stiegen wir etwas müde wieder in ein Taxi und gingen mit der Erkenntnis ins Bett, dass ein Tag für Jozi definitiv zu wenig ist, um die pulsierende und kreative Atmosphäre nur ansatzweise zu erleben.

Am nächsten Morgen holten wir am Flughafen unseren Mietwagen ab, um den Weg von Johannesburg bis zum Krüger-Nationalpark (oder auch häufig Kruger National Park) entlang der Panorama Route einzuschlagen. Auf dieser Route genießt man von den Aussichtspunkten God’s Window, Bourke’s Luck Potholes, Three Rondavels und Blyde River Canyon einen atemberaubenden Ausblick auf die die weiten Flächen und bizarren Landschaftsformationen.

Leider hatten wir uns mit der Zeit und dem Tageslicht etwas verschätzt, so dass wir erst eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit in dem kleinen Städtchen vor dem Phalaborwa Gate ankamen. Der Sicherheitstyp am Eingang des kleinen Motels, in dem wir eine Übernachtung reserviert hatten, wollte nichts von unserer Reservierung wissen und ließ uns auf der Straße stehen. Von dem Besitzer einer unweit gelegenen Pension erhielten wir einen kurzen belehrenden Vortrag, dass man nicht bei Dunkelheit fahren dürfte, weil die Gefahr viel zu groß sei, einen Unfall mit herumlaufenden Tieren zu haben und dann von herumstreifenden Banden überfallen zu werden. Nach unserem reumütigen Gemurmel erhielten wir das letzte Zimmer, welches auch gut aus der Kolonialzeit hätte stammen können. Erschöpft und erleichtert fielen wir an diesem Abend in unsere Betten.

Noch vor dem Sonnenaufgang begaben wir uns am nächsten Morgen zur Eingangspforte des Kruger National Parks. Als normaler Tourist, der mit dem eigenen PKW anreist, zahlt man als Erwachsener eine Conservation fee (Schutzgebühr) von etwa 204 Rand (ZAR) pro Tag. Wer einen längeren Aufenthalt im Krüger National Park oder auch einem anderen Nationalpark im Land plant, sollte sich im Voraus online eine Wild Card besorgen. Diese Wild Card gilt für ein Jahr, lohnt sich aber bereits nach sechs bis sieben Tagen.

Unsere Route im Kruger National Park sollte uns vom Phalaborwa Gate über das Camp Shingwedzi im Norden, Letaba in der Mitte und Lower Sabie im Süden führen. Von einer Safari im Kruger National Park habe ich schon lange geträumt: Von der Weite, den vielen Tieren und der Suche nach den Big Five. Und tatsächlich: In den drei Tagen sahen wir im Norden u.a. Elefanten, viele Bockarten, viele verschiedene Vogelarten, Nilpferde, Affen und Krokodile. Eine besondere Stimmung herrschte auch bei unserer Wanderung zum Sonnenaufgang, wo wir dem Ruf des Schakals und dem Brüllen der Nilpferde lauschten und von Giraffen beim Frühstücken beobachtet wurden. Im mittleren Teil des Kruger National Parks erspähten wir seltene Wildhunde, Gnus in Herden, Antilopen, Impalas und wieder Elefanten. Von Letaba aus nahmen wir an einer Nachtausfahrt teil, da man allein nach Einbruch der Dunkelheit das Camp nicht mehr verlassen darf. Vom Safarifahrzeug aus hielten wir in der Dunkelheit Ausschau nach Elefanten, Antilopenarten, Hasen, Nagetieren und hörten den ‚whoop whoop‘-Ruf der Hyänen. Je weiter südlich wir uns am nächsten Tag begaben, desto ebener und weiter wurden die Flächen und gaben den Blick auf Herden von Büffeln, Zebras und Elefanten frei. Uns begegnete ein verletzter Büffel mit deutlichen Krallenspuren. Kurz darauf entdeckten wir Löwen, Geparden, Nashörner, Warzenschweine, Hyänen, Kudus, Schildkröten und Vogelsträuße. Am Abend stiegen wir vom Camp Lower Sabie in ein weiteres offenes Safarifahrzeug zur Dämmerungsausfahrt: Neben große Elefantenherden mit Babyelefanten, diversen nachtaktiven Tiere wie kleinere Wild- und Raubkatzen und einem scheuen Leoparden, beobachteten wir ein Gruppe vollgefressener Löwen neben einem erlegten Büffel, über den sich am nächsten Tag die Geier und Hyänen hermachten.

Etwas wehmütig verließen wir nach dreieinhalb Tagen den Kruger National Park im Süden und setzten unsere Reise Richtung Durban fort.

Noch eines möchten wir euch gerne erzählen: Wenn man an Safari denkt, hat man oft das Bild eines teuren Luxusurlaubes vor Augen. Diese Angebote, die man von Deutschland kennt, stellen jedoch alles private Lodges in Gebieten außerhalb des eigentlichen Kruger National Parkes dar. Wenn man ein wenig mehr recherchiert, findet man die offizielle südafrikanische Seite der Nationalparkbetreiber, die sehr einfache Hütten und befestigte Zelte direkt im Park vermieten. Somit ist es durchaus möglich, mit begrenztem Budget auf Safari zu gehen. Wir können auf jeden Fall empfehlen, aufgrund des limitierten Angebotes im Voraus bei Sanparks zu reservieren. In den Camps lernt man dabei auch viele Südafrikaner kennen, denn Safaris zählen dort zum Hobby Nummer 1.

Unser Gesamtfazit: Ein unvergessliches Erlebnis!

 


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